hommage an hazrat inayat khan

nada brahma

die ersten  worte der altindischen veden bezeichnen den klang als die grundlage der schöpfung. der indische musiker, mystiker und sufimeister hazrat inayat khan drückte es anfang des letzten jahrhunderts ähnlich aus: die schöpfung ist nach seinem verständnis „musik gottes“. in seinen philosophisch-mystischen schriften über „musik und kosmische harmonie“ erläutert er dies ausführlicher:

alles erschaffene schwingt und klingt in unendlichen kreisen ineinander und miteinander: der tanz der gestirne, der tanz der atome und der tanz der seelen.

Hazrat Inayat Khan, Musik und kosmische
Energie, ISBN 978-3-936246-05-6
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ein paar gedankensplitter seiner überlegungen, die er kurz vor seinem tod 1926 festgehalten hat:
die erscheinungswelt ist aus schwingungen gebildet und die planeten sind die ersten manifestationen, wobei jeder planet seinen ihm eigenen grundton hat… daher  hat auch jedes individuum einen ihm eigenen ton, entsprechend seinem geburtsplaneten

jedes element hat einen ihm eigentümlichen klang … der klang des wassers ist tief, er ist wellenförmig, seine farbe ist grün … man hört ihn am besten im brausen des meeres. der klang fliessenden wassers, des bergbaches , das plätschern und prasseln des regens … sie alle haben eine sanfte und munter-lebendige wirkung und regen die phantasie an

der klang des feuers hat eine hohe frequenz, die form ist lockig gekräuselt und die farbe rot. man hört diesen klang im einschlag des blitzes … im geräusch des lodernden feuers, im lärm der feuerwehrskörper … sie alle haben die tendenz furcht zu erregen.

der klang des äthers ist in sich vollständig und enthält alle formen und faben. er ist die grundlage aller klänge und ist der grundton … sein instrument ist der menschliche körper.

rhytmus – merkmal allen lebens

bewegung ist das merkmal des lebens, und das gesetz der bewegung ist rhythmus … das beginnt beim kind, wenn es sich über das schütteln einer rassel freut und durch das schaukeln der wiege beruhigt wird, und zeigt sich dann beim erwachsenen; ist doch in allen spielen, sport und vergnügungen auf diese und jene weise rhythmus verborgen …

und dasselbe gilt für die geistigen freuden des menschen. sowohl die dichtkunst als auch die musik  … ein sanskritsprichwort sagt, der ton sei die mutter der natur, aber der rhythmus der vater. …

rhythmus ruft eine ekstase hervor, die man nicht erklären und mit keiner anderen quelle der berauschung vergleichen kann.

hazrat inayat khan

1882 – 1927  stammt aus einer gemässigt-islamisch-othodoxen chrishtyya familie mit pazifistisch-gewaltlosem sufi-hintergrund. er wuchs in seiner jugend mit einer sehr undogmatisch toleranten aber tiefen frömmigkeit auf, die dank seines grossvaters  und lehrers nicht nur musikalisch sondern auch mystisch geprägt wurde. maula bakhsh war selber als musikvirtuose und dichter in indien sehr bekannt und blieb bis zu seinem tod 1896 durch seine ganze jugendzeit seine engste bezugsperson. der junge inayat khan sprach neben seiner muttersprache urdu auch sanskrit, hindi, marahti sowie das persische gujarat. er veröffentlichte mit 14 sein erstes musiktheoretisches buch und war mit 20 professor an der musikakademie von baroda. er unternahm als jugendlicher nach dem tod seines grossvaters als  vina-spieler und lyriker ausgedehnte reisen in indien und nepal.  auf dem höhpunkt seiner karriere  feierte er zwischen 1902 – 1908 grosse erfolge in der stadt hyderabad. nach einer asketischen pilgerreise durch indien widmete er sich der spirituellen entwicklung unter der geistigen führung des sufi-chrishti-scheichs sayyid abu hashim madani. 1910 verliess er indien und wanderte zur verbreitung der sufi-botschaft in die usa aus. spätere stationen seines lebens sind nach london und paris, wo seine familie lebte,  auch moskau und genf.   in jeweils eigenen sufi-gemeinschaften unterrichtete er erfogreich schüler und schülerinnen. er verstarb auf seiner letzten reise nach indien 1926/27 in neu-delhi, nachdem er  kurz vor seiner abreise seinen sohn – pir vilayat inayat khan als nachfolger eingeweiht hatte.

n.b. nicht nur die amerkanische jazzszene z.b. john coltrane, etwas später don cherry aber auch viele andere ‚kosmopolitisch‘ geprägten musiker wie etwa die gruppe „weather report“ um den wiener jo zawinul, aber  auch indische jazzmusiker z.b. trilok gurtu nahmen bezug auf hazrat inayat kahn und seine musiktheoretischen schriften.